Durch das Vermächtnis Alfred Nobels sind dank der grossen Bemühungen der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und des Karolinischen Institutes Verbindungen unter den Wissenschaftlern der verschiedensten Länder hergestellt worden, die auf Grund ihrer wissenschaftlichen Leistungen für würdig zum Empfang des Nobelpreises befunden wurden. Es ist so eine weltweite Gemeinschaft von Nobelpreisträgern infolge des Wirkens dieser beiden Institutionen in den letzten 50 Jahren ins Leben gerufen worden. Es bedeutet für mich eine grosse Ehre, in diese Gemeinschaft durch Verleihung des Nobelpreises aufgenommen zu sein, und für die makromolekulare Chemie, deren Bedeutung Herr Professor Fredga bei der Überreichung des Preises geschildert hat, ist es eine hohe Anerkennung, dass sie durch die grösste Auszeichnung geehrt wurde, die die wissenschaftliche Welt zu vergeben hat. Für diese hohe Ehre spreche ich den Mitgliedern der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und der Nobel-Stiftung meinen tiefempfundenen, wärmsten Dank aus. Dies tue ich nicht nur in meinem Namen, sondern auch im Namen meiner Frau, der langjährigen Mitarbeiterin auf diesem Gebiet.
Nachdem ich schon in Karlsruhe, angeregt durch die Arbeiten von Karl Engler, Untersuchungen über die Beziehungen von Autoxydation und Polymerisation durchführte, beschäftigte ich mich von 1920 ab an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich eingehender mit diesen damals viel diskutierten Fragen. An diese Zeit denke ich gerne zurück, weil dort im Widerstreit mit den herrschenden Meinungen die ersten Grundlagen für die makromolekulare Chemie gelegt wurden. Diese Untersuchungen sind dann von 1926 ab im chemischen Institut der Universität Freiburg i. Br. und schliesslich nach meiner Emeritierung im Staatlichen Forschungsinstitut für makromolekulare Chemie in Freiburg i. Br. weiter fortgeführt worden, und ich hoffe, dass sie durch die Verleihung des Nobelpreises jetzt noch mehr gefördert werden.
Die technisch wichtigen Fragen der makromolekularen Chemie, die Fragen der Faser- und Kunststoffherstellung, werden heute in der ganzen Welt auf das intensivste bearbeitet. In wissenschaftlicher Hinsicht eröffnet die makromolekulare Chemie ausserdem noch neue Ausblicke für die Biologie. Je mehr wir in diese Fragen eindringen, umso wunderbarer erscheint uns das Lebendige durch die Vielgestaltigkeit seiner makromolekularen Architektonik. Möge durch diese Forschungen Arbeit geleistet werden im Sinne Alfred Nobels, der die Hoffnung hatte, durch die Förderung der Wissenschaft zum Wohle der Menschheit beizutragen.
Prior to the speech, G. Liljestrand, Member of the Royal Academy of Sciences, addressed the laureate: Während der letzten Jahre seines Lebens war Alfred Nobel eifrig bemüht, ein künstliches Ersatzmittel für Kautschuk zu finden. Dies gelang ihm nicht. Erst einige Jahrzehnte später wurde das Problem gelöst, als das umfassende und wichtige Gebiet der Makromoleküle erschlossen wurde. Jetzt spielen die syntetischen makromolekularen Produkte eine höchst wichtige Rolle in unserem täglichen Leben. Wir begrüssen Sie, Herr Professor Staudinger, als einen Pionier dieser neuen Wissenschaft, die Sie mit zahlreichen Entdeckungen bereichert haben. Mit zielbewusster und zäher Energie haben Sie das Fundament unserer heutigen Auffassung dieses Gebietes geschaffen. Wir sprechen Ihnen unsere Bewunderung für Ihre Leistungen aus
Hermann Staudinger was born in Worms on the 23rd of March 1881. His father was Dr. Franz Staudinger.
Staudinger was educated in Worms, matriculated in 1899, and continued his studies first at the University of Halle, later at Darmstadt and Munich. He graduated at Halle in 1903 and qualified for inauguration as academic lecturer under Professor Thiele at Strasbourg University in spring 1907. In November 1907 he was appointed Professor of Organic Chemistry at the Institute of Chemistry of the Technische Hochschule in Karlsruhe. For fourteen years, from 1912, he was lecturer at the Eidgenössische Technische Hochschule in Zurich, and in 1926 followed the invitation of the University of Freiburg i. Br. to become Lecturer of Chemistry. ln this city, he remained all through his further career. From 1940 onwards he held an additional appointment as Principal of the Research Institute for Macromolecular Chemistry. Staudinger resigned from his post as Principal of the Chemical Laboratories of the University in April 1951, and accepted the honorary appointment as Head of the State Research Institute for Macromolecular Chemistry, which he held until April 1956.
Staudinger was a prolific writer and the following books by him have been published: Die Ketene (Ketenes), published by Enke, Stuttgart, 1912; Anleitung zur organischen qualitativen Analyse (Introduction to organic qualitative analysis), published by Springer, Berlin, 1st edition 1923, 5th edition 1948, 6th edition 1955; Tabellen zu den Vorlesungen über allgemeine und anorganische Chemie (Tables for the lectures on general and inorganic chemistry), published by Braun, Karlsruhe, 1st edition 1927, 5th edition 1947; Die hochmolekularen organischen Verbindungen, Kautschak und Cellulose (The high-molecular organic compounds, rubber and cellulose), published by Springer, Berlin, 1932; Organische Kolloidchemie (Organic colloid chemistry), published by Vieweg, Braunschweig, 1st edition 1940, 3rd edition 1950; Fortschritte der Chemie, Physik und Technik der makromolekularen Stoffe (Progress of the chemistry, physics and technique of the macromolecular substances), jointly with Professor Vieweg and Professor Röhrs, Volume 1, 1939, Volume II, 1942, publisher Lehmann, Munich; Makromolekulare Chemie und Biologie (Macromolecular chemistry and biology), publisher Wepf & Co., Basle, 1947; Vom Aufstand der technischen Sklaven (The uprising of the technical slave), published by Chamier, Essen-Freiburg, 1947.
Since September 1947 Staudinger has edited the periodical Die makromolekulare Chemie (Macromolecular chemistry), published by Dr. A. Hüthig, Heidelberg and Wepf & Co., Basle.
In 1961 his book Arbeitserinnerungen (Working memoirs) appeared, published by Dr. A. Hüthig, Heidelberg.
Besides the books, Staudinger published a great number of scientific papers. Among these were fifty on ketenes, also works on oxalyl chloride, autoxidation, aliphatic diazo-compounds, explosions, insecticides, synthetic pepper and coffee aroma. Since 1920 he has written approximately 500 papers on macromolecular compounds, about 120 of these on cellulose, about 50 on rubber and isoprene.
For his work Staudinger received many honours and awards; to mention but a few - he is Dr. Ing. h.c. of the Technische Hochschule Karlsruhe; Dr. rer. nat. h.c. of the University of Mainz; Dr. (C) h.c. of the University of Salamanca; Dr. chem. h.c. of the University of Torino; Dr. sc. techn. h.c. of the Eidgenössische Technische Hochschule Zurich; and Dr. h.c. of the University of Strasbourg. In 1953 he was awarded the Nobel Prize in Chemistry for his discoveries in the field of macromolecular chemistry. In 1933 he was honoured with the Cannizzarro Prize of the Reale Accademia Nazionale dei Lincei in Roma. He is member of the Institut de France, and member and honorary member of many Chemical Societies and the Society of Macromolecular Chemistry in Tokyo.
Hermann Staudinger is married to Magda Woit, who is for many years his co-worker and co-author of numerous publications.